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Vegetarismus und Tierschutz

 in der Religion der Jainas (1)

  Mahavira und die “Ahimsa”

Im Gegensatz zum Buddhismus und Hinduismus besteht in Europa über die dritte indische Hochreligion, den Jainismus, fast völlige Unkenntnis. Das ist insbesondere bei Vegetariern bedauerlich, weil keine andere Religion den ethisch motivierten Vegetarismus seit Jahrtausenden bis in die Gegenwart so geschlossen und in kaum zu überbietender Konsequenz im täglichen Leben vertritt wie die Jaina-Religion.

Der Jainismus gehört zu den ältesten heute auf der Erde existierenden Religionen. Seine Ursprünge reichen wahrscheinlich bis in die vorarische Zeit Indiens zurück. Von den legendären “Tirthankaras” (Furtbereiter, d. h. Kirchengründer) sind nur die beiden letzten, Parshva ( um 750 v. Chr.) und Mahavira (um 500 v. Chr., also etwa zur Zeit Buddhas) historisch erfaßt. Mahavira ist der eigentliche Erneuerer dieser Religion, die - vor allem in Konkurrenz zu ihrer “Schwester-Religion”, dem Buddhismus - erhebliche Bedeutung für die geistige und kulturelle Entwicklung Indiens erlangt hatte. Während der Buddhismus jedoch später fast völlig aus Indien verdrängt wurde, dafür aber außerhalb Indiens sich zu einer Weltreligion entwickelte, konnte sich der Jainismus in Indien soweit behaupten, daß er dort auch heute (um 1973) noch mehr als 2,5 Millionen Anhänger hat.

Das höchste Gebot ist für die Jainas - und zwar allen Lebewesen gegenüber - die “Ahimsa”, das Nichtverletzen. Mahavira begründete das anschaulich mit den Worten:

“Geradeso wie ich Leid und Furcht empfinde, wenn ich mit einem Stock bedroht, geschlagen oder getötet werde, ja wenn mir auch nur ein Haar ausgerissen wird - ebenso empfinden alle anderen höheren und niederen Lebewesen Leid und Furcht, wenn sie mit einem Stock bedroht, geschlagen oder getötet werden, ja wenn ihnen auch nur ein Haar aus- gerissen wird. Wenn man das erkannt hat, so steht es fest, daß weder     ein höheres noch ein niederes Wesen bedroht, geschlagen oder getötet werden darf.”

Die Einstellung der Jainas zu den Tieren wird - ähnlich wie bei den Buddhisten und Hindus - durch den Glauben an Karma und Reinkarnation geprägt. Hiernach finden moralisch gute und böse Taten zwangsläufig ihre Vergeltung in künftigen Wiederverkörperungen, was auch als Tier möglich ist. Durch Karma und Reinkarnation sind alle Lebewesen über ihren Tod hinaus        in einer untrennbaren Schicksalsgemeinschaft miteinander verbunden.

Da nach dem Karma-Gesetz jede böse Tat der Feind des Täters ist,   sagte Mahavira:

“Ob man Wesen durch eigenes Tun tötet oder sie durch andere töten läßt oder dem zustimmt, der sie tötet - stets fördert man das, was einem feind ist.”

Die Jaina-Mönche versuchen, die Ahimsa selbst kleinsten Lebewesen gegenüber derart genau zu befolgen, daß ihr Verhalten schon fast groteske Formen annimmt. So tragen sie vor dem Mund Tücher, um das Einatmen und damit Verletzen von Lebewesen zu verhindern. Die Nahrungsaufnahme ist ihnen nur zur Tageszeit erlaubt, weil bei Dunkelheit die Gefahr besteht, mit der Nahrung auch Lebewesen aufzunehmen. Dementsprechend ist es ihnen auch verboten, bei Dunkelheit auszugehen, weil sonst Tiere zertreten werden könnten.  Am Tage führen sie einen kleinen Besen mit sich, um den Weg freizufegen, wodurch auch versehentliches Verletzen von Lebewesen vermieden werden soll.

Wegen der strikten Befolgung des Ahimsa-Gebotes kommen für die Jainas viele Berufe, z. B. in der Landwirtschaft, vor allem aber Schlächter, Jäger, Fischer u. dgl., nicht in Betracht.  Sie betätigen sich deshalb vorzugsweise in kaufmännischen Berufen, insbesondere im Bankgewerbe, und haben dadurch auch heute noch einen verhältnismäßig großen Einfluß im indischen Wirtschaftsleben.

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